Künstliche Besamung beim Pferd

Die Geschichte des Menschen ist eng mit der Geschichte des Pferdes verbunden. Außer dem Hund hat kein anderes Haustier so früh und so eng den Kontakt zum Menschen gefunden. Die Nutzungsart des Pferdes hat sich im Laufe der Entwicklung mehrfach verändert. Heute ist das Pferd in erster Linie Sport- und Freizeitkamerad.

 

Die Pferdezucht ist ein normaler landwirtschaftlicher Wirtschaftszweig. Das vorrangige Ziel besteht jedoch nicht darin, Produkte für die Nahrungskette des Menschen zu erzeugen, sondern leistungsstarke Pferde für Sport und Freizeitgestaltung bereitzustellen. Die Zuchtziele unterscheiden sich damit ganz erheblich von denen bei anderen landwirtschaftlichen Nutztieren, die Zuchtverfahren und Zuchtinstrumente sind jedoch im Grundprinzip gleich. Grundsätzlich sind damit alle biotechnischen Verfahren, die bei Rind, Schwein, Schaf und Ziege als Hilfsmittel der Zucht bzw. zur Beschleunigung des Zuchtfortschrittes in Anwendung kommen, auch beim Pferd einsetzbar. Biologische Besonderheiten, die Effektivität einzelner Verfahren beim Pferd, die Haltungsbedingungen, die Populationsgröße bei verschiedenen Pferderassen und spezielle Traditionen in der Pferdezucht schränken ihren Nutzungsumfang jedoch erheblich ein. So kommt es, dass heute nur künstliche Besamungen und diese wiederum überwiegend beim Warmblut in der praktischen Zuchtarbeit beim Pferd genutzt werden.

 

 

Zielstellung der Anwendung der künstlichen Besamung

Die Sicherung qualitativ und quantitativ hoher Reproduktionsleistungen bei den landwirtschaftlichen Nutztieren erfordert koordinierte Maßnahmen des Betriebsmanagements, der Zuchtorganisation, des Veterinärwesens und der Reproduktionsspezialisten. Tiergesundheit, Zootechnik, Züchtung und Biotechnik in der Fortpflanzung müssen ineinander greifen.

 

Das älteste und immer noch wichtigste Verfahren in der Biotechnik der Fortpflanzung ist die künstliche Besamung ( KB ).

 

 

Die KB ist gekennzeichnet durch die Möglichkeiten;

von züchterisch besonders wertvollen Vatertieren über einen längeren Zeitraum Sperma zu gewinnen;

dieses außerhalb des männlichen Organismus zu bearbeiten, d. h. es zu verdünnen und zu konservieren und so eine Vielzahl von Besamungsportionen zu erzeugen.

 

Die Besamungsportionen zeitlich und regional weitgehend unabhängig entsprechend der Zuchtplanung bei weiblichen Tieren im Genitale zu deponieren, d. h. künstlich zu besamen bzw. eine Befruchtung ohne direkten Kontakt zwischen Vater- und Muttertier vorzubereiten.

 

Die praktische Nutzung der KB begann aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung, der vorhandenen Zuchtstrukturen und der biologischen Gegebenheiten zunächst beim Rind und zielte anfangs auf rein veterinärhygienische Maßnahmen, wie z. B. die Vermeidung von Deckseuchen durch Unterbrechung des Infektionsweges Vater-Muttertier oder die Überbrückung von Decksperren. Durch eine zentralisierte Haltung ausgewählter Vatertiere in Besamungsstationen und eine tierärztliche Überwachung wurde weiterhin gewährleistet, dass aufgrund der kontinuierlichen Kontrollen der Samenspender bezüglich Zuchthygiene und Erbkranheiten nur einwandfreies Sperma zum Einsatz kam. Daneben gab es auch betriebswirtschaftliche und arbeitsorganisatorische Vorteile, da durch die zentralisierte Haltung und Pflege der Vatertiere Aufwand und Gefahrenmomente insgesamt verringert wurden. Entscheidend für den heutigen Nutzungsumfang der KB war jedoch, das schon bald die daraus resultierenden züchterischen Möglichkeiten erkannt wurden.

 

 

Die KB beim Pferd orientiert auf folgende Schwerpunkte

 

  • Effektive Nutzung der wertvollen Hengste.
  • Überregionaler Einsatz von ausgewählten Hengsten, insbesondere bei Nutzung gefrierkonservierten Spermas ( TG ).
  • Möglichkeiten zur Qualitätskontrolle des Spermas im Hinblick auf eine Verhinderung von den durch den Hengst bedingter Suberfertilität bzw. Sterilität.
  • Möglichkeiten zur Ausführung gewünschter Anpaarung trotz Bestandserkrankungen, da die Stuten ihr Heimatgestüt nicht verlassen müssen.
  • Möglichkeiten der Kombination von KB und Zuchthygiene zur Erhöhung der Fruchtbarkeitsleistung in Stutenbeständen.
  • Vorbeugung einer Überlastung von Hengsten.
  • Reduzierung der Verletzungsgefahr bei Stute und / oder Hengst.

 

Eine Flüssigkonservierung ist für das Sperma vom Hengst seit Ende des 19. Jahrhunderts praktikabel. Einen nennenswerten Umfang erreichte sie jedoch erst, nachdem anlässlich des VI. internationalen Tierkongresses 1968 in Paris eine große Anzahl von Fachleuten der Pferdezucht dazu aufgerufen hatte, aus der KB stammende Nachkommen als Zuchttiere anzuerkennen. Hinzu kam, das seit 1964 erste Arbeiten über eine erfolgreiche Gefrierkonservierung von Hengstsperma erschienen.

 

 

Organisation und Anwendungumfang in der künstlichen Besamung 

Die Organisation der KB ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Insbesondere in der Europäischen Gemeinschaft wird eine Harmonisierung der nationalen Rechts- und Verwaltungsvorschriften hinsichtlich der Zuchtnutzung von Tieren, Sperma und Embryonen angestrebt. Die Mitgliedsstaaten müssen ihre nationalen Vorschriften anpassen. Die in der KB tätigen Organisationen und Personen haben die Verpflichtung, bestimmte Qualitätsparameter bezüglich der Vatertiere und ihres Spermas zu beachten und zu überwachen. Das betrifft insbesondere die Gewährleistung des genetischen Wertes der Besamungsvatertiere, der Seuchenfreiheit, des Fehlens erblicher Belastung, der Abstammung, der Qualität der Besamungsportionen und der Dokumentation aller Verfahrensschritte sowie des Spermaeinsatzes.

 

 

Frischsamen ( Nativsamen )

Der Nativsamen hat ausserhalb des Körpers nur eine Überlebensdauer von ca. 30 Minuten und kann somit nur sofort übertragen werden. Er ist von untergeordneter Bedeutung und wird in der Regel nur bei Unverträglichkeiten der Stute gegenüber Verdünner eingesetzt, oder wenn sich die Stute zum Samenentnahmezeitpunkt auf der Besamungsstation befindet.

 

 

Aufbereiteter Samen ( FS )

Das zur Zeit gebräuchlichste Verfahren. Der Hengst wird abgesamt, das Ejakulat untersucht, zentrifugiert, verdünnt, danach portioniert und gekühlt. Durch den Einsatz moderner Kurierdienste kann der Samen in der Regel innerhalb von 20 Stunden an fast jeden Ort in Deutschland und in das benachbarte Ausland transportiert werden. Samenverdünner sind in der Lage den Samen bis zu 48 Stunden haltbar zu machen. Es ist zu beachten, dass die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf. Es wird möglichst nah am Ovulationszeitpunkt besamt. Der Samen muss ca. 24 Std. vor der Besamung geordert werden.

 

 

Tiefgefriersamen ( TG )

Bei diesem Verfahren wird der entnommene Samen nach einem festgelegten Abkühlprozess bei -196°C in flüssigem Stickstoff tiefgefroren und gelagert. Genreserven können so angelegt werden. Die Kombination von Zucht und Sport bei Hengsten ist problemlos möglich, da in der turnierfreien Zeit Spermareserven angelegt werden können. Bei allen offensichtlichen Vorteilen hat der Einsatz von TG jedoch erhebliche Nachteile. Nicht jeder Hengst ist geeignet zur Samenübertragung mit TG, d. h. nicht jeder Samen ist tiefgefriertauglich. Entscheidend sind hier auch die Auftauraten. Die Motilität, d. h. die Vorwärtsbeweglichkeit der Spermien sollte nicht unter 50% liegen. Auch eine Kopfkappenablösung bei mehr als 25% der Samenzellen führt zur Unbrauchbarkeit. Gute Tiefgefrierhengste erzielen eine Auftaurate von 60% bis 70% Motilität.

 

 

Gesetzliche Anforderungen

Jeder Hengst benötigt eine Besamungserlaubnis gem. Tierzuchtgesetz. Der Antrag auf eine Besamungserlaubnis kann nur von einer staatl. anerkannten Besamungsstation gestellt werden. Der Versand von Samen darf nur an Tierärzte oder eine anerkannte Besamungsstation oder an eine Besamungspraxis erfolgen. 

 

 

Der Ablauf

Der Stutenbesitzer unterzeichnet einen Deckvertrag / Besamungsvertrag mit dem Hengsthalter / Tierarzt / Besamungspraxis. Der Samen wird nach Absprache einen Tag vor der Insemination ( KB ) angefordert. Der Samen wird in einem speziellen Transportbehälter zusammen mit einem Samenverwendungsnachweis in dreifacher Ausführung gem. Tierzuchtgesetz an eine Besamungspraxis / Tierarzt versandt. Die zu besamende Stute wird vom Tierarzt / Besamungsbeauftragten identifiziert, der Samen auf seinen Zustand geprüft. Die Stute wird besamt, der Besamende quittiert die Verwendung. Ein Durchschlag geht zurück an die Hengststation, einer verbleibt bei dem Besamenden, einen erhält der Stutenbesitzer.

 

 

 

 

Kontakt:

Praxis Paulsen-Mohr

Bahnhofstraße 81

25560 Puls

Tel.: +49 (0) 4892 / 9 12 99 34

 

Termine nach Vereinbarung

 

Die Praxis ist nicht ständig besetzt.

Bitte nutzen Sie in diesem Fall das Kontaktformular. Wir werden uns schnellstmöglich mit Ihnen in Verbindung setzen. 

 

 

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